Unterkünfte für Geflüchtete: Jetzt die richtigen Entscheidungen für Leichlingen treffen

Die Diskussion über neue Unterkünfte für Geflüchtete wird derzeit auch in Leichlingen intensiv geführt. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wo kurzfristig Plätze geschaffen werden können. Entscheidend ist vielmehr, ob wir Lösungen finden, die langfristig tragfähig sind – für die Menschen, die zu uns kommen, aber auch für unsere Stadt.

Bei all diesen Diskussionen dürfen wir eines nicht vergessen: Wir reden hier über Menschen. Menschen, die zu uns geflohen sind, weil in ihren Herkunftsländern Krieg herrscht, sie verfolgt werden oder ihre Lebenssituation dort nicht mehr sicher ist.

Gerade deshalb müssen wir bei unseren Entscheidungen verantwortungsvoll handeln.

Umso mehr irritiert mich eine Überlegung der Verwaltung, nach der die Menschen, die aktuell in der Schützenstraße wohnen, künftig einfach auf andere Unterkünfte im Stadtgebiet verteilt werden könnten. Viele der dort lebenden Menschen sind Familien mit Kindern. Die Kinder besuchen hier Kindergärten und Schulen, haben Freundinnen und Freunde in der Umgebung gefunden und beginnen langsam, in Leichlingen anzukommen.

Wenn solche Familien von heute auf morgen beispielsweise nach Oberschmitte oder Witzhelden umziehen müssten, würde das bedeuten, dass Kinder ihre Kita oder Grundschule wechseln müssten und soziale Kontakte verloren gehen. Integration bedeutet aber auch Verlässlichkeit und Stabilität. Gerade Kinder brauchen Kontinuität in ihrem Alltag.

Den möglichen Ankauf des Gebäudes an der Schützenstraße unterstütze ich deshalb ausdrücklich. Neben dem bestehenden Gebäude bietet auch die umliegende Fläche Entwicklungspotenzial.

Mit der Möglichkeit, sowohl die Unterkunft an der Schützenstraße als auch die umliegenden Flächen zu erwerben, eröffnet sich für Leichlingen eine Chance, die wir uns vor wenigen Jahren so kaum hätten vorstellen können. Hier geht es nicht nur um eine kurzfristige Lösung für Unterbringung, sondern um eine echte Perspektive für die Weiterentwicklung unserer Stadt.

Wir schaffen uns damit die Möglichkeit, Leichlingen langfristig voranzubringen – mit Entwicklungspotenzial für bezahlbaren Wohnraum, durchdachte Nutzung der Flächen und neue Chancen für die Stadtentwicklung.

Sehr kritisch sehe ich hingegen den geplanten Containerstandort „Am Block“. Der Standort liegt sehr abgelegen. Für Menschen, die neu nach Leichlingen kommen, sind kurze Wege zu Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten, Vereinen und Beratungsangeboten entscheidend.

Integration funktioniert nicht irgendwo am Rand der Stadt. Menschen müssen dort leben können, wo Infrastruktur, Begegnung und gesellschaftliches Leben stattfinden.

Auch der Bereich hinter dem Hallenbad wird als möglicher Standort diskutiert. Zwar ist dort grundsätzlich Platz vorhanden und die Lage ist zentraler. Gleichzeitig befindet sich dieser Bereich jedoch in einem Quartier, das bereits heute vor besonderen sozialen Herausforderungen steht.

Der Sozialbericht 2024 des Rheinisch-Bergischen Kreises zeigt deutlich, dass der Wohnplatz Cremers Weiden bereits einen überdurchschnittlich hohen Unterstützungs- und Integrationsbedarf hat. Der Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist dort deutlich höher als im städtischen Durchschnitt. Gleichzeitig liegen die SGB-II-Quoten teilweise doppelt oder sogar dreifach über den Vergleichswerten der Stadt und des Kreises.

Diese Zahlen zeigen klar, dass dieser Sozialraum bereits stark gefordert ist. Deshalb müssen wir sehr genau überlegen, welche zusätzlichen Belastungen wir einem Quartier zumuten.

Was Leichlingen deshalb dringend braucht, ist ein echtes Integrationskonzept – eines, das nicht nur auf dem Papier gut klingt, sondern tatsächlich funktioniert. Momentan erleben wir häufig ein reines Krisenmanagement. Es werden Container aufgestellt, um kurzfristig Plätze zu schaffen. Wenn die Zahlen wieder sinken, werden Mietverträge schnell wieder gekündigt.

Auf Dauer ist dieses Vorgehen weder nachhaltig noch wirtschaftlich sinnvoll. Wir müssen anfangen, langfristiger zu denken.

Container sollten deshalb nur in wirklichen Notlagen eingesetzt werden. Heute gibt es deutlich bessere Alternativen. Moderne Holz-Fertigbauweisen ermöglichen beispielsweise Gebäude, die später flexibel genutzt oder sogar an anderer Stelle wieder aufgebaut werden können – etwa als Wohnungen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Größe von Unterkünften. Große Sammelunterkünfte erschweren Integration erheblich. Deshalb sollten Unterkünfte künftig möglichst überschaubar bleiben und nicht deutlich mehr als etwa 45 Menschen an einem Standort beherbergen.

Kleinere, dezentrale Unterkünfte erleichtern Betreuung und Integration und verhindern gleichzeitig, dass einzelne Quartiere sozial überlastet werden.

Die Unterbringung von Geflüchteten wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Gerade deshalb braucht Leichlingen eine klare, langfristige Strategie – mit durchdachten Standorten, nachhaltigen Bauformen und einem funktionierenden Integrationskonzept.

Denn eines ist für mich klar:

Die Unterbringung von Geflüchteten ist eine Herausforderung – aber auch eine Verantwortung. Wenn wir sie klug gestalten, kann daraus Integration entstehen, von der unsere ganze Stadt profitiert.

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